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Podcast #1 Die Schwemme in Halle – damals, heute, zukünftig

In dieser ersten Folge stellen wir kurz vor, was früher, heute und zukünftig in der Schwemme passiert. In weiteren Episoden gehen wir auf Details im nachhaltigen Sicherungsprozess näher ein und sprechen über einzelne Aspekte mit Expert:innen rund um den Verein. 

Bei unserem ersten Arbeitseinsatz des Jahres im Februar 2022 haben wir ein paar Stimmen auf der Baustelle eingefangen, die unser Projekt im Herzen von Halle aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Wir reden in dieser Episode darüber:

  • Was früher in der Schwemme  passierte, denn das Haus hat eine bewegte Geschichte
  • Wie wir die Schwemme ressourcenschonend retten: reduce, resuse, recycle
  • Wie unser zukünftiges Nutzungskonzept aussieht: Dritter Ort, Coworking und Kompetenzzentrum für klimaneutrales Bauen

Weiterführende Links:

Schwemme-Kalender: https://schwemme.org/event/

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Musik: Loose The Caravan (touchmore solo, Sven Teschmer – aktuelles Projekt: songshifter auf Youtube & Spotify

Produktion: Johanna Voll für den Schwemme e.V.

Der Podcast Geschichte(n) aus der Schwemme wird gefördert von NEUSTART.KULTUR im Programmteil KULTUR.GEMEINSCHAFTEN der Kulturstiftung der Länder.

Bitte unterstützt den Erhalt der Schwemme mit einer Spende. Der Schwemme e.V. ist gemeinnützig – ihr erhaltet eine Spendenbescheinigung: https://schwemme.org/spenden/

Transkript:

MUSIK

Herzlich Willkommen zur ersten Episode von Geschichten aus der Schwemme – dem Podcast rund um die Schwemme in Halle (Saale) von und mit Aktiven des Schwemme e.V.

Ich bin Johanna Voll, Mitglied im Verein, Projektentwicklerin, Coworking-Expertin und euer Host für diese erste Staffel des Podcasts.

In dieser ersten Folge stellen wir kurz vor, was früher, heute und zukünftig in der Schwemme passiert. In weiteren Episoden gehen auf Details im nachhaltigen Sicherungsprozess näher ein und sprechen über einzelne Aspekte mit Expert:innen rund um den Verein.  

MUSIK

Bei unserem ersten Arbeitseinsatz des Jahres im Februar 2022 habe ich ein paar Stimmen auf der Baustelle eingefangen, die unser Projekt im Herzen von Halle aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten.

Holger Hartmann bringt es auf den Punkt, worum es dabei geht:

Das ist, dass sich vor vielen Jahren nen Haufen Wahnsinnige zusammengetan haben und gesagt haben, komm wir retten den alten Schuppen hier bevor er ganz zusammenfällt und da wird’s nicht allzu viel Leute geben, die sich das aufhalsen und sagen kommt wir machen da was draus. Denn es ist ja alles über freiwillige Basis und da gehört dann schon eine Menge Engagement dazu und vor aller Dingen man muss dann auch bei der Stange bleiben und das ist doch schön ich hier, dass die Leute bei der Stange bleiben.

Ja, das ist ein großes Wagnis auf der einen Seite, auf der anderen Seite viel Freude, wenn man hier ist und das ist ein Objekt, was ich schon ganz ganz lange kenne, also seit DDR-Zeiten eigentlich schon, mich immer gewundert habe, was dort ist und ja jetzt bin ich dabei.

Wie Jürgen Engelhardt und Holger sind derzeit noch ungefähr 20 weitere Mitglieder des Schwemme e.V. dabei. Hinzukommen freiwillige Helfer:innen bei unseren monatlichen Arbeitseinsätzen.

Doch zunächst blicken wir ein wenig zurück:

Das Gebäude des 1718 errichteten Brauhaus zum Pelikan, später Schwemme-Brauerei genannt, gehört zu den bedeutendsten noch erhaltenen Zeugnissen der historischen Klaustorvorstadt in Halle (Saale). Der geschützte Fachwerkbau steht aufgrund seiner hohen denkmalfachlichen Bedeutung als eines der wenigen Objekte auf der Roten Liste besonders gefährdeter Baudenkmäler der Stadt. Durch seine 300-jährige Industriegeschichte und seine zentrale Lage am Fluss ist er ein inspirierender Ort von außerordentlicher Ausstrahlung.

Passantin: Hier hat meine Freundin gewohnt in diesem Haus. Wir sind zusammen in die Glauchaschule gegangen. Wir haben da immer gespielt. In den Vorraum durften wir natürlich bloß, die Frau war sehr fein und wollte nicht, dass wir was schmutzig machen. Da war so ein schöner Vorraum, da haben wir immer gespielt, wenn kein Fliegeralarm kam. Dann musste ich nach Hause.

Die Passantin, die wir zufällig vorm Schwemmetor getroffen haben, fasst es treffend zusammen:

Es wird wieder neu gebaut. Schade, dass man so lange gewartet hat. Es ist sehr schade, hätte viel früher erhalten müssen. Das ist meine Heimat, das muss erhalten bleiben. Da freue ich mich drüber

Das Haus hat eine bewegte Geschichte:

Die Straße „An der Schwemme“ und das auf ihrer Ostseite gelegene ehemalige Brauhaus tragen ihren Namen nach der Pferdeschwemme, die sich im anliegenden seichten Saalearm, der Schwemmsaale, vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein befand. Der bis heute unbebaute Uferbereich an der stadtabgewandten Seite der Schwemmsaale bis an die Hallorenbrücke zeugt noch davon.

Bewohner:innen der zwischen den Saalearmen gelegenen vorstädtischen Siedlung Strohhof erbauten hier eine eigene Brauerei in Gemeinschaftsbesitz. Am 2.Juni 1718 erhielten sie vom König in Preußen Friedrich Wilhelm I. das Privileg, Bier zu brauen. Damit erschloss sich der Siedlung mit ihren vielen Ausspannhöfen eine wichtige Einnahmequelle.

Der Betrieb führte den Namen „Brauhaus zum Pelikan“. Dieses Tier wurde in der christlichen Überlieferung als Sinnbild für den Opfertod Christi verstanden. Genau dies ist auf einem Relief an der südlichen Giebelseite des Hauses dargestellt. Auch die Bierflaschen trugen ein Relief des Pelikans als Markenzeichen. Daran knüpfen wir ebenso heute an.

Das 1718 errichtete Brauhaus war ein etwa 20 m langer Fachwerkständerbau über einem tonnengewölbten Kellerraum. Schon bald erfolgten Anbauten nach Norden und Süden, wodurch sich die Größe des Gebäudes etwa verdoppelte. An der Straßenseite ist diese Dreiteilung des Hauses bis heute ablesbar. Das Erdgeschoss der Anbauten wurde aus Porphyrbruchstein errichtet, darauf folgten ein Fachwerkgeschoss und ein mehrgeschossiger Dachstuhl.

Im mittleren und nördlichen Teil des Gebäudes befand sich der Brauereibetrieb mit Räumen zur Lagerung, Keimung, Trocknung und Röstung der Gerste, einer pferdegetriebenen Schrotmühle zur Zerkleinerung des gewonnenen Malzes, dem Sudhaus zum Verkochen der Maische und der Kellerei mit Gärbottichen und Lagerfässern. Der südliche Anbau diente als Wohnhaus für den Braumeister.

1830 wechselte das Brauhaus von Gemeinschaftsbesitz in den Privatbesitz einer Brauerfamilie. Das Wohnhaus wurde 1832 um einen Anbau zur Schwemmsaale hin erweitert, der bis an die massive Ufermauer reichte. In Teilen des Wohnhauses wurde 1859 eine Gastwirtschaft eingerichtet.

Der Brauereibetrieb wurde unter anderem durch Einbau einer Dampfmaschine und die Errichtung einer neuen Darre für die Malzröstung modernisiert. Diese entstand 1865 als massiver turmartiger Ziegelanbau, der bis heute die Ansicht von der Schwemmsaale aus prägt.

Nach dem Verkauf der Brauerei schloss der neue Eigentümer zunächst die Gastwirtschaft. 1919 ließ er noch den Verandaanbau an der Südseite errichten, verkaufte aber 1920 das Brauhaus an die konkurrierende Freyberg-Brauerei. Damit fand die Brauereitradition an dieser Stelle vorerst ihr Ende.

Nach 1945 beherbergte das Haus eine Arztpraxis und verschiedene Werkstätten, unter anderem eine Schusterei und einen Ofensetzerbetrieb. Im Erdgeschoss zog Ende der 60er Jahre eine Vulkanisierwerkstatt ein, die bis zum Ende der 80er Jahre bestand. Auf diese gehen die Toreinfahrt und das große Werkstattfenster in der Mitte des Gebäudes zurück.

Anfang der 90er Jahre endete vorerst die Nutzung des Gebäudes. Es gehörte bald zu den gefährdeten Baudenkmalen der Stadt Halle. Zwanzig Jahre des Leerstandes hatten erhebliche Schäden an dem Gebäude hinterlassen, ein Brand im September 2015 verursachte vor allem im südlichen Teil erhebliche Zerstörungen. Eine Rettung schien kaum mehr möglich.

Im Auftrag der Stadt Halle (Saale) wurde 2012 ein Aktivierungskonzept zur Entwicklung des Gebäudes erarbeitet, dass überzeugend darstellte, das eine dauerhafte Nutzung durch Existenzgründer*innen und kreative Akteur*innen der Etablierung eines Kreativquartiers in unmittelbarer Nachbarschaft zum MDR-Funkhaus, dem Mitteldeutschen Multimediazentrum (MMZ), und dem Salinemuseum wichtige Impulse geben würde. Im Februar 2015 hat sich dafür der Schwemme e.V. gegründet und hat die historische Brauerei gekauft.

2016 zunächst den privaten südlichen Teil und später im Jahr auch die zweite Hälfte, die sich in städtischer Hand befand.

Am 18.11.2016 konnten wir das erste Richtfest für das Notdach feiern.

Bilanz 2016: 42 Arbeitseinsätze, davon 10 große mit bis zu 15 Teilnehmer:innen, 34 Beteiligte

Es wurden mehr als 800 Stunden ehrenamtlicher Arbeit geleistet und wir haben auch einiges an Schutt beräumt, nämlich 12 Container.

Die Arbeitseinsätze sind wichtig für das Gemeinschaftsgefühl im Verein, wie Gernot Lindemann ausführt:

Das merkt man eigentlich immer bei den einmal im Monat stattfinden Arbeitseinsatz. Das ist ein wirklich tolles Gefühl, auch wenn man körperlich an seine Grenzen gerät, aber mit anderen zusammen in dieser Gemeinschaft an einem zugegebener Maßen noch nicht wirklich absehbaren großen Ziel zu arbeiten und diese Gemeinschaft da zu spüren und sich gegenseitig zu unterstützen, auch seine Späße zu machen, einfach dieses Gemeinschaftsgefühl zu spüren.

Im August 2021 wurde dann der Bauantrag genehmigt und mit viel Engagement und Spenden wird das Gebäude nun denkmalgerecht saniert und bereits von der Kunst- und Kulturszene Halles bespielt.

Wir haben ein ganz klares Ziel. Das ist, das Denkmal ressourcenschonend zu  retten und der Stadtgesellschaft Halles als identitätsstiftenden Ort dauerhaft zugänglich zu machen.

Was passiert heute in der Schwemme? Gernot Lindemann führt aus:

Ich glaube die ersten Ideen gab es schon 2012 und damals habe ich noch im Auftrag für die Stadt Halle ein Aktivierungskonzept geschrieben, wo quasi drin stand dass dieses Gebäude gerade für so eine ehrenamtliche gemeinwohlorientierte Nutzung ideal wäre und vielleicht auch das die einzige Chance ist, dieses Gebäude für die Zukunft zu erhalten.

Auf die Frage nach dem Besonderen des Schwemme e.V. antwortet Henryk Löhr:

Er ist ja vielfältig. Es sind Leute aus ganz verschiedenen Bereichen, die hier zusammenkommen, die jeder so ihre Aufgabe finden. Nicht reibungslos, das ist klar. Wir sind jetzt so 25 Leute etwa, von denen ein großer Teil auch wirklich aktiv ist in verschiedenster Weise. Da gibt’s immer mal auch verschiedene Vorstellungen, aber insgesamt, muss ich sagen, also dafür, dass das fast alles ehrenamtlich läuft und ja so vielfältig eben ist, ist es bemerkenswert, wie gut sich das koordiniert, wie gut die Stimmung meistens ist und ja, dass auch immer wieder jemand dazu kommt. Dass es also ein Verein ist, der langsam aber stetig wächst. Das finde ich prima.

Im Mittelpunkt der derzeitigen Sicherungsmaßnahmen steht eine wirklich nachhaltige Sicherung und:

Ja, dass so viel wie möglich von der historischen Substanz erhalten bleiben soll. Das gelingt natürlich nur zum Teil weil die Schädigungen an manchen Stellen doch erheblich sind, aber es zeichnet sich ab, dass doch vieles noch zu sehen und erlebbar bleiben wird. Dann bemühen wir uns ja mit  Baustoffen wie Lehm oder mit wiederverwendeten Dachziegeln oder Balken, die auch schon mal in anderen Häusern Verwendung gefunden haben, zu arbeiten, da wo das möglich ist. Das geht natürlich nicht überall, so dass da hoffentlich am Ende doch ein stimmiges Gesamtbild bei rauskommt.

Dirk Herold ergänzt: Ich bin ja prinzipiell auf Nachhaltigkeit eingestellt, daher fühle ich mich ja hier so wohl.  Alles was wir hier machen, verwenden wir doppelt und dreifach und dass es auch alles ernsthaft hier gemeint ist, also nicht nur Alibi, sondern dadurch dass es ernsthaft betrieben wird, die Steine rein und raus zu räumen und wiederzuverwenden. Das macht Sinn.

Und auch Gernot Lindemann, der von Anfang an mit dabei war beschreibt seine Lesart von echter Nachhaltigkeit beim Bauen:

Mich begeistert hier, wie eigentlich immer bei alten Häusern, noch dazu wenn sie, wie hier über 300 Jahre alt sind, dass man fast alles was die Altvorderen hier eingebaut haben, problemlos ausbauen kann, wiederverwenden kann. Also es gibt quasi gar keinen Abfall oder Müll, sondern alles, was hier drin war – bis auf wirklich zerstörte Holzbalken –  aber alles andere kann man quasi wiederverwenden und das fasziniert mich und das finde ich ist eigentlich auch der Anspruch den wir heute an das haben sollten, was wir hier neu einbauen.

Christian Hartwig begleitet das Projekt als Architekt: Was sind denn so die nachhaltigen Aspekte die dich hier besonders begeistern?

Nachhaltig… Also eigentlich sind das zwei Themenfelder, die mich begeistern. Das eine ist, dass hier nachhaltig gearbeitet wird. Also, dass wir hier im Ehrenamt aktiv sind, dass auch viele Interessierte dabei sind, die hier mitwirken ohne Geld zu bekommen, die einfach das für die Gemeinschaft, für den Verein und für das Gebäude tun. Das interessiert mich und begeistert mich. Ich versuche das natürlich auch nach Kräften zu unterstützen und das zweite ist tatsächlich, dass die Nachhaltigkeit im wörtlichen Sinne, also dass wir mit nachhaltigen Baustoffen versuchen hier zu bauen, sprich Wiederverwendung von Baustoffen, so wie wir das jetzt gerade machen mit den Dachziegeln, die wir bergen aus verschiedenen anderen Gebäuden der Stadt und hier wieder verbauen, dass wir nachhaltig mit Lehm-Werkstoffen umgehen und grundsätzlich das nachhaltige Bauen und die CO2 Reduktion hier im Bauprozess und in der Wiederherstellung des Denkmals eine große Rolle spielt.

Holger Hartmann, der täglich ehrenamtlich auf der Baustelle aktiv ist, fügt hinzu:

Ich finde es angenehm, da ich auf dem Bau gelernt habe, dass man nur nicht immer nur Beton nimmt und das alles gleich aussieht und das ist noch sehr schöne alte Struktur und hier kann man Fantasie einbringen und man kann hier auch einfach was draus machen. Das dauert natürlich Zeit und es kostet nen Haufen Geld, aber es geht doch voran und wenn es eben halt nen Jährchen länger dauert, dann ist es eben auch nicht anders.

Alexander Salhoff, der sich insbesondere mit dem nachhaltigen Lehmbau auseinandersetzt, meint:

Das erste was mir einfällt ist Holz. Es ist das viele Fachwerk. Das wird jetzt nach und nach ersetzt und wenn man bedenkt, dass die Materie 300 Jahre alt ist, und teilweise noch ziemlich gut in Ordnung, ist das schon erstaunlich. Wir haben bis zu 3 verschiedene Formate an Mauerziegeln. Das ist auch krass, also das ist für mich auch sehr schön, dass es die irgendwie wieder in anderer Form oder an einem anderen Platz wieder den Weg ins Gebäude finden.

Doch wie soll es in der Schwemme zukünftig weitergehen?

2022 freue ich mich vor allem wenn jetzt im Frühjahr der Dachstuhl auf den abgebrannten Teil errichtet wird und man das Gebäude in seiner ursprünglichen Kontur wieder erleben kann, sagt Gernot Lindemann.

Dazu werden wir in einer zukünftigen Folge genauer mit Christian Hartwig sprechen.  

Bislang konnten wir erfolgreich mit Hilfe von öffentlichen Förderungen und privaten Spendeneinnahmen die Sicherungsmaßnahmen finanzieren, Teilprojekte umsetzen und zum Ausprobieren neuer Ideen einladen.

Das zukünftige Nutzungskonzept umfasst 3 Kernbereiche: Dritter Ort, Coworking Space und Kompetenzzentrum für Klimaneutrales Bauen. So wird die Schwemme mit einem Mixed-Use-Ansatz ein moderner Arbeitsort – eingebettet in das bestehende Stadtumbaukonzept (Denkmalförderung & Kreativquartier).

Mit der Schwemme in Halle wird ein besonderer dritter Ort entstehen, der historisches Handwerk, Kommunikation von Zukunftskompetenzen und neue Arbeitsformen verbindet und so zu einer (hyper-)lokalen Ökonomie beiträgt. Das die Gesellschaft verbindende Thema „Bier“ nutzen wir um breite Schichten der Bevölkerung anzusprechen. Auch darauf werden wir in zukünftigen Folgen näher eingehen.

Offene und vielseitig bespielbare Flächen wechseln sich ab mit geschlossenen und bestimmten Nutzungen klar zugeordneten Bereichen. Geplant ist, dass sich die Schwemme in sechs verschiedene Nutzungszonen gliedert. 

Im nördliche Teil entstehen offene Flächen für Ausstellungen und Kleinkunst, um nur zwei der möglichen Nutzungsszenarien zu erwähnen. Der mittlere Teil beherbergt zukünftig u.a. Räume für diverse Veranstaltungen und dient als öffentliches Foyer. In den oberen Geschossen werden Coworking-Arbeitsplätze eingerichtet. Im südlichen Teil befinden sich unsere Vereinsräume sowie Studios. Im Hof wird die bereits erwähnte Mikrobrauerei mit Sudhaus und Gärraum entstehen, die im Rahmen der Vereinstätigkeit als Mitmachbrauerei genutzt werden kann.

Mit diesem Konzept erreichen wir verschiedene Vereinsziele. Hierzu zählen die Schwemme als Ort der Begegnung wiederzubeleben, einen Platz für gemeinschaftliches Arbeiten anzubieten sowie das Areal als Kunst-, Kultur- und Ausstellungsort weiterzuentwickeln und gleichzeitig zum Mittelpunkt unseres Vereinslebens zu machen.

Mit unserem identitätsstiftenden Ort mitten in Halle richten wir uns an alle Generationen und unterschiedliche Zielgruppen.

Was sagen die Aktiven vor Ort, wenn wir in die Zukunft blicken?

In fünf Jahren hoffe ich, dass wir fertig sind und, dass es ein schönes alternatives Kulturzentrum wird, was für die Öffentlichkeit oder dass die Öffentlichkeit das dann auch benutzt und dass eben halt sich recht viele nette junge Leute rumtreiben und die dann hier Spaß und Freude haben, so wie wird das jetzt haben.

Ja, in fünf Jahren, das ist immer, auf der einen Seite könnte ich jetzt phantasieren und sagen, das ist alles enorm toll, würde mir da aber selbst enorm Druck aufbauen weil das in gewisser Weise ja auch alles mit den baulichen Zuständen zusammenhängt. Deswegen würde ich es vielleicht realistisch sehen: Ich hoffe, dass wir in 5 Jahren noch wachsen als Verein, also dass unsere Personalstrukturen noch zunehmen und wir vielleicht noch intensiver und besser aufgestellt sind um die vielfältigen Sachen, die wir hier machen, leisten zu können.

Also, ich denke die Verortung in der Stadt, dass das auf jeden Fall ein Ort ist, der bekannt ist in der Stadt und wo Kultur stattfindet, das sich das verstetigt, das würde ich mir auf jeden Fall wünschen für die nächsten fünf Jahre.

Dann, dass die Sanierung so weit fortgeschritten ist, dass wir hier mit ruhigem Gewissen schlafen können. Also kein Substanzverlust mehr droht, alle Dächer dicht sind und auch vielleicht schon Bereiche beheizt werden, das würde mich interessieren oder das hoffe ich, dass wir in 5 Jahren so weit sind und natürlich die Idee, der Inhalt, den wir dem Gebäude eingeschrieben haben, der Ansatz mit Coworking und freie Szene, Theaterkultur, Atelierbereiche, dass das  – wenn auch niederschwellig – funktioniert, das würde ich mir wünschen.

Damit reagiert die Schwemme auch auf aktuelle gesellschaftliche Herausforderungen. Nach diesen gefragt sagt Gernot Lindemann:

Das ist eine große Frage. Mal auf auf das Schwemmeprojekt runtergebrochen, würde ich sagen, gibt es für mich zwei Themen: Das eine ist tatsächlich zu versuchen mit geschlossenen Kreisläufen dieses Gebäude wieder herzustellen, zu sanieren, neu aufzubauen. Also so zu machen wie die alten, dass spätere Generationen das rückstandsfrei dann wieder umbauen können und, dass andere ist: Eigentlich bietet sich die Schwemme als einen Ort an, wo ganz unterschiedliche Leute aus verschiedensten Kreisen der Gesellschaft, ob jung oder alt, arm und reich, egal welcher Berufe, sich hier zusammenfinden können, sich austauschen können und zur Verständigung auch innerhalb der Gesellschaft was beitragen können. Das fände ich würde an diesen Ort ganz hervorragend passen.

In diesem Jahr nehmen wir uns viel vor und sind zuversichtlich, dass Dank der besseren Pandemielage auch wieder zahlreiche Veranstaltungen stattfinden können. Christian Hartwig sagt dazu:

2022 freue ich mich auf den reich gefüllten Terminkalender. Ich habe zwar nicht alle Termine jetzt im Kopf, aber natürlich die großen Termine: Fete de la Musique, Denkmaltag, Tag der Architektur, diverse Einmietungen, auch teilweise von Rang und Namen. Da sind Sachen, die neben dem Bauen hier wieder Leben reinbringen und wenn die Temperaturen wärmer werden und man dann auch wieder am Ufer der Saale ist ein Bier trinken kann mit schöner Musik, darauf freue ich mich.

Und Dirk Herold ergänzt:

Was ich immer als Highlight empfinde, ist diese Jazzgeschichte. Also wir hatten hier vor ein oder zwei Jahren diesen Ulf Herden hier gehabt, der diese Jazzreihe hier veranstaltet hat. Das war wie so ein krönender Abschluss von den ganzen Arbeiten, die wir gemacht haben und es wurde von den Leuten so an angenommen hier unten, als ob das schon immer Jazzkeller war. Das ist für mich das Highlight! Also darauf freue ich mich am meisten, wenn das dieses Jahr wieder stattfinden würde, das ist so eine Art Bestätigung unserer Arbeit.

In diesem Sinne freuen wir uns auf ein spannendes 2022 – sicherlich mit Höhen und Tiefen, aber vor allem viel Spaß bei unserer Arbeit vor Ort und hinter den Kulissen. In der nächsten Folge gehen wir mehr auf die Menschen ein, die sich mit viel Engagement und Herzblut für unsere Schwemme einsetzen.

MUSIK

Das war Geschichte(n) aus der Schwemme – der Podcast des Schwemme e.V. in Halle mit Johanna Voll. Für mehr Informationen rund um die Schwemme und aktuelle Veranstaltungshinweise schaut auf www.schwemme.org vorbei. Auf Facebook und Instagram teilen wir regelmäßig Einblicke vom Baufortschritt – folgt uns gerne auch dort. MUSIK

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