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Einblicke in die Sanierungs- und Umbauarbeiten – Teil 2

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Die Nördliche Erweiterung

15 Jahre nach Fertigstellung des Ursprungsbaus erfolgte die nördliche Erweiterung der Tenne mit eigenständigem Giebel, massivem Erdgeschoss aus Bruchsteinmauerwerk und darüber liegendem Sichtfachwerk. Das Dachtragwerk schließt sich auch hier als doppelter Kehlbalkenstuhl in gleicher Konstruktionsweise wie am Ursprungsbau an.

Jedoch erfolgte der Einbau von zwei Stützen im Bereich des mittleren Stuhlgebindes anstatt eines einzelnen Stieles. Dieser Gebäudeteil ist komplett unterkellert, wobei das Kellerniveau nur etwa zur Hälfte, maximal zwei Drittel unter dem Gelände liegt.

Die Decke über dem Kellergeschoss ist als massive Kappendecke ausgebildet und wurde als Ersatz der schadhaften Decke im Jahr 1907 eingebaut, zusammen mit den Stahlstützen im Erd- und Kellergeschoss, die Teile der Dachlasten aus dem Stuhlgebinde in die Fundamente überführen.

Ab 1920 erfolgte die Umnutzung des Erdgeschosses zu Kleinwohnungen. Durch Einbau von leichten Trennwänden entstanden kleinteilige Räume, deren Strukturen heute noch im Estrichbelag ablesbar sind, während der Raumeindruck wieder ganz dem einer Scheune entspricht.

Seitenflügel

Der zweigeschossige Anbau in Richtung Mühlgraben mit einem gemauerten Erdgeschoss, verputztem Fachwerk im Obergeschoss und einem einfachen Kehlbalkendach lässt sich auf das Jahr 1832 datieren.

Alte Darre

Die turmartige Darre mit ihrem imposanten Sichtmauerwerk erhebt sich seit 1865 über Resten eines Vorgängers aus Bruchstein. Schon 1859 gab es Eingaben zur Instandsetzung eines desolaten Schornsteines der ersten, noch eingeschossigen Darre, bevor wenige Jahre später die heute noch in ihren Außenmauern erhaltene Darre mit zwei Dörrböden und einer bis an die Deckenbalken des Obergeschosses reichenden Brenn- und Heizkammer errichtet wurde.

Dieser Gebäudeteil illustriert im besonderen Maße die Einflüsse industrieller Entwicklung auf die Baugeschichte der Schwemme. Der massive Eingriff in die Gefügestruktur des mittleren Gebäudeteils kam jedoch nicht ohne Störung des statischen Systems aus. Das Einkürzen des Schornsteins erfolgte Mitte der 1960er Jahre, wohl infolge von Baufälligkeit.

Südliche Veranda

Als zweigeschossiger Mauerwerksbau von geringer Tiefe erfolgte im Jahr 1919 der Anbau einer Veranda an den Südgiebel in Richtung Herrenstraße. Das offen gestaltete Obergeschoss als von Säulen unterteiltes Fensterband ermöglichte eine gute Aussicht auf die damals noch nicht kanalisierte Einmündung der Schwemmsaale in den Saale-Hauptarm am sogenannten Schwarze-Wehr. Das nur drei Sparrenfelder umfassende Kehlbalkendach schließt ein Giebel mit Sichtfachwerk im oberen Dreieck ab.

Hofbebauung

Die historisch überwiegend als Nebengelasse dienenden, zweigeschossigen Anbauten aus Fachwerk mit hochliegender Schwelle auf massivem Bruchsteinsockel und gering geneigtem Steildach sind aktuell in ihrer Standfähigkeit gefährdet. Das weitestgehend stark geschädigte konstruktive Gefüge zeugt von langanhaltender Vernachlässigung der bis in die 1990er Jahre hinein zu Lager- und Sanitärzwecken sowie als Waschhaus genutzten Gebäudeteile.

Ehemalige Bebauung entlang des Mühlgrabens bzw. der Schwemme-Saale

Nur noch anhand von Fundamentresten und Bodenplatten lassen sich die umfangreichen Nebengebäude im flussseitigen Hof der Schwemme erahnen, die teilweise noch bis in die 1990er Jahre hinein bestanden. Historischen Plänen von 1842 sind der Umbau und die Errichtung von Wagenremisen, einer Pferdemühle mit Rossumgang und Pferdeställen zu entnehmen. Später folgen Nutzungen und vielseitige Veränderungen bzw. Ergänzungen als Garage, Schuppen, Kohlenlager, Klosett u.ä.


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